Made with Switzerland

Made with
Switzerland

In «Made with Switzerland» teilen zehn Ukrainerinnen und Ukrainer ihre Erfahrungen in einem Land, das sich bewegt. Die Ukraine ist im Umbruch, und die Schweiz steht ihr bei der Umsetzung von unerlässlichen Reformen zur Seite, indem sie Menschen, die am stärksten durch den Konflikt betroffen sind oder sich für den Frieden einsetzen, unterstützt. Alle Veränderungen tragen zum Wohlstand und zur Sicherheit des europäischen Kontinents bei. Dieses Engagement und seine Ergebnisse sind in Fotos und Zeugnissen festgehalten.
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GESUNDHEIT VON MUTTER UND KIND

In der Ukraine ist die Sterblichkeit rückläufig. Es sterben aber immer noch 7 von 1000 Kindern im ersten Lebensjahr.
 
Dank dem Beitrag der Schweiz zur Verbesserung der Mutter-Kind-Gesundheit während der letzten 18 Jahre konnte die Sterberate bei Kindern im ersten Lebensjahr halbiert werden.

Tetjana NELISCHYTA

Leiterin der Intensivstation für Neugeborene am Regionalspital von Winnyzja, Winnyzja

Ich arbeite hier seit achtzehn Jahren. Natürlich hat es Verbesserungen gegeben. Unsere Situation war früher ziemlich hart. Vor fünfzehn Jahren lagen wir bei der Überlebensrate von Frühgeborenen weit unter dem europäischen Durchschnitt. Heute erreichen wir in der Region Winnyzja 70 Prozent. Dabei sprechen wir von mindestens 200 Frühgeborenen im Jahr. Wir arbeiten immer effizienter, mit immer besseren Ergebnissen. Ein neugeborener Säugling, der mindestens 700 Gramm wiegt, hat in unserer Abteilung eine Überlebenschance von 90 Prozent. Gleichzeitig haben sich unsere materiellen Arbeitsbedingungen verbessert. In Schulungen haben wir auch gelernt, selber Projekte zu konzipieren, Stipendienanträge zu schreiben, Sponsoren zu suchen usw. So haben wir neben dem von der Schweiz gespendeten Röntgenapparat auch Brutkasten, Apparate zur künstlichen Beatmung und alles Nötige für das Wohlbefinden des Neugeborenen.

Wir können die Entwicklung seines Herzens, seiner Lungen, seiner Bronchien, seiner Muskeln und seines gesamten Körpers unterstützen. Die Situation der Mütter hat sich auch verbessert. Sie liegen heute in modernen Zimmern neben der Neugeborenenstation. Sie erholen sich solange wie nötig und können ihre Bébés sehen, so oft sie wollen. Wir unterstützen die Kinder auch nach dem Austritt aus dem Spital mit einem zwölfjährigen Betreuungssystem. Wir stellen fest, dass die Jüngeren, die alle diese Veränderungen erlebt haben, weniger Krankheiten und Behinderungen haben. Das ist sehr ermutigend. Was wir tun, ist nicht eine Frage von Hightech-Ausrüstung oder schönen Statistiken. Es geht darum, diesen Neugeborenen eine bessere Chance auf ein langes, gesundes Leben zu geben.

«Es geht darum, diesen Neugeborenen eine bessere Chance auf ein langes, gesundes Leben zu geben

Tetjana NELISCHYTA

 
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ERNÄHRUNGSSICHERHEIT

Mangelhafte Standards bei der Lebensmittelhygiene und -sicherheit stellen eine Gefahr für ukrainische Konsumentinnen und Konsumenten dar.
 
Auf Initiative der Schweiz wurden die Vorschriften der Lebensmittelsicherheit für Milch verschärft. Die Produktion zertifizierter biologischer Milch wurde innerhalb von drei Jahren verdoppelt.

Valentyna PANASJUK

Leiterin eines Milchverarbeitungszentrums, MCP «Pruschynka», Bezirk Kosjatyn, Region Winnyzja

Ich arbeite seit dreissig Jahren in der Milchbranche. Ich dachte, ich wüsste alles. Aber mit dieser Ausbildung habe ich so viele Dinge gelernt! Das hat mir die Augen geöffnet für Hygienefragen wie Mikroben oder den Säuregrad der Milch. Vorher haben wir uns nicht darum gekümmert und verkauften die Milch direkt nach dem Melken. Jetzt habe ich verstanden, dass dies ohne Vorbehandlung gefährlich sein kann. Man muss sterilisieren, pasteurisieren, kühlen usw. Wissen Sie, ich bin Mutter und habe schon eine Enkelin. Ich bin stolz darauf, gesunde und hochwertige Milch zu produzieren. Das ist besonders wichtig für das Wachstum von Kindern, ich sehe das bei meiner Enkelin. Die Ausbildung kam auch gerade zum rechten Zeitpunkt, um mir bei meiner beruflichen Weiterentwicklung zu helfen.

Unser Zentrum ist heute eine Referenz für über 600 Tierhalter der Region und für unsere Kunden. Wir beginnen jeden Morgen um 4.00 Uhr mit der Verarbeitung. Sie sind um 11.00 Uhr morgens gekommen, und wie Sie sehen, ist die Milch schon weg. Unsere Arbeit wird sehr geschätzt, da alle, Lieferanten und Konsumenten, unserem Knowhow in der Milchverarbeitung von A bis Z vertrauen. Aber es geht noch weiter. Die Ausbildung hat mir auch gezeigt, wie ich mir neue Informationen beschaffen kann. Ich bemühe mich ständig, unsere Arbeitsmethoden zu verbessern, um eine noch bessere, noch hochwertigere Milch anbieten zu können.

 
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KONFLIKT - ZUGANG ZU WASSER

Vom Konflikt in der Ost-Ukraine sind noch immer 4,4 Millionen Menschen, davon 1 Million Kinder, betroffen.
 
Die Schweiz half mit, für rund 3,9 Millionen Menschen auf beiden Seiten der Kontaktlinie einen sicheren Zugang zu Trinkwasser zu schaffen.

Walerij SELISCHTSCHEW

Leiter der Wasseraufbereitungsanlage der Firma Voda Donbassa in Oberkalmjus, Donezk, einer nicht von der Regierung kontrollierten Zone in der Region Donezk

Seit 2014 wurde die Anlage 52-Mal beschossen. Wir mussten den Betrieb zwölfmal unterbrechen, um Reparaturen durchzuführen. Aber wir sind immer noch da. Meine Angestellten haben seit vier Monaten keinen Lohn erhalten. Trotzdem hat fast niemand die Stelle verlassen. Sie arbeiten sogar während Bombardierungen. Wir reinigen Wasser für ein Einzugsgebiet mit einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern. Ehrlich gesagt war die Situation schon vor dem Krieg nicht einfach. Aber seither hat sie sich wirklich verschlechtert. Wir können unsere Stromrechnungen nicht mehr bezahlen, und unsere Schulden steigen ständig. Der Siwerskji-Donez–Donbass-Kanal quert an mehreren Stellen die Front.

Das führt dazu, dass er weder unterhalten noch gereinigt wird. Es sammeln sich Algen und Abfall an und verlangsamen den Durchfluss, was unsere Kapazität reduziert. Die Kanalisation füllt sich nicht mehr ganz und wird rasch verstopft. Die Schweiz ist der einzige Staat, der uns hilft. Ohne humanitäre Lieferungen mit Chemikalien und Reinigungsprodukten bestünde die Gefahr von Hepatitis, Cholera oder Dysenterie. Bis jetzt geht es noch. Wir testen das Wasser immer noch alle zwei Stunden. Ich bin ziemlich stolz darauf, dass bis jetzt noch über keine Krankheiten berichtet wurde, die durch Wasser übertragen werden, nicht einmal Fälle von Durchfall. Unser Wasser ist für die lokale Bevölkerung immer noch sehr gesund.

 
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STAATLICHE GOUVERNANZ

Die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an Entscheidungsprozessen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Regierungsführung.
 
Mit der Einführung von Online- Petitionen wurde ein effizienterer Dialog zwischen Bürgerinnen und Bürgern und der Regierung möglich. Bisher haben sich rund 165 000 Personen zu Wort gemeldet.

Olexij SELIWJANSKYJ

Informatikingenieur, Koordinator für E-Services im EGAP-Programm, Kyiw

Die Onlinedienstleistungen, die wir entwickeln, sind gerade daran, das Leben der Ukrainerinnen und Ukrainer zu revolutionieren. Sie brauchen die Verwaltungsdienstleistungen fast jeden Tag zur Meldung einer Geburt oder eines Todesfalls oder zur Beantragung von Mietzuschüssen. Im Moment ist das Pilotprojekt zur Zuteilung von Heizzuschüssen ein grosser Erfolg. Vorher musste man das Auto nehmen, an verschiedenen Orten mehrere Formulare mitnehmen, das Dossier zusammenstellen, zurückkommen. Heute kann man alles online ausfüllen. Man muss sich nur einmal vor Ort begeben, um den Antrag zu bestätigen und zu unterzeichnen, und schon ist alles erledigt. Es ist einfach, transparent und reduziert immer mehr korrupte Praktiken, die bis dahin gängig waren. Das «E-Governance for Accountability and Participation»-Programm (EGAP) gibt uns Entwicklern einen Rahmen, Tools und wertvolle Tipps und erlaubt es uns, andere Projekte aus der ganzen Welt kennenzulernen.

Das «E-Governance for Accountability and Participation»-Programm (EGAP) gibt uns Entwicklern einen Rahmen, Tools und wertvolle Tipps und erlaubt es uns, andere Projekte aus der ganzen Welt kennenzulernen. Allein könnten wir nicht so viele konkrete positive Ergebnisse erzielen. Das ist zuerst einmal wichtig für Bürgerinnen und Bürger, die diese Onlinedienstleistungen nutzen. Es ist aber auch sehr nützlich für staatliche Institutionen, die die Qualität ihrer Dienstleistungen und ihrer Gouvernanz verbessern wollen. Und für uns als Fachleute ist es eine grosse Genugtuung, den digitalen Übergang in der Ukraine zu begleiten und das Angebot an Onlinedienstleistungen zu verbessern.

 
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RISIKOSCHWANGERSCHAFTEN

Die Risiken für Schwangere sind in der Ukraine 6-mal höher als in der Schweiz.
 
Dank dem Beitrag der Schweiz zur Verbesserung der Mutter-Kind-Gesundheit konnte die Sterblichkeit von Schwangeren und Wöchnerinnen um ein Drittel reduziert werden.

Jurij KOZULIWSKYJ

Leiter der Geburtsabteilung des Bezirksspitals Winnyzja, Winnyzja

Wir führen die einzige moderne Gynäkologieabteilung eines Bezirks mit ungefähr 80 000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Hier werden die Konsultationen abgehalten. Dann können sich die Patientinnen auf einem Bett in diesem kleinen Zimmer erholen. Nur das Pflegepersonal hat hier Zutritt. Wir tun alles, damit sich die Frauen keine Sekunde Sorgen machen müssen. Diesen Ansatz haben wir über Jahre entwickelt. Dank kontinuierlicher Weiterbildung können wir Sinn und Zweck der Schweizer Methoden nachvollziehen und diese anwenden. Das ist anders als im alten System. Die Patientinnen mussten im Gang warten, und die Konsultation erfolgte rasch und war nicht immer sehr angenehm. Sie hatten unter diesen Bedingungen oft Angst, sich uns anzuvertrauen.

Die psychischen Auswirkungen auf die Frauen und insbesondere auf schwangere Frauen sind heute komplett anders. Heute können wir alle Fragen, von der Hygiene bis zur Verhütung, ohne Tabu ansprechen. Hier wird alles vertraulich behandelt, und das Pflegepersonal ist dazu da, um zu helfen, und nicht, um die Patientinnen zu belehren. Zudem arbeiten wir unter optimalen Bedingungen, in neuen Räumlichkeiten, die gemäss den neusten Normen renoviert wurden. Es gibt natürlich immer noch Probleme, aber wer hat die nicht? Aber Schritt für Schritt stärken wir die Vertrauensbeziehung zu unseren Patientinnen.

 
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ENERGIEKOSTEN

Die Ukraine gehört zu den Ländern Europas mit der tiefsten Energieeffizienz. Zwei Drittel der Bevölkerung kann sich die Kosten für Strom.
 
Die ukrainischen Haushalte könnten die Energiekosten mit Energieeffizienzmassnahmen wie neue Fenster oder Dachisolierung massiv senken. Dank einer Initiative der Schweiz erhielten über 250 000 Haushalte Darlehen für energetische Gebäudesanierungen.

Jewgen JAROWYJ

Ehemaliger Ökonom, Leiter einer Stockwerkeigentümergemeinschaft, Bezirk Darnyzia, Kyiw

Unsere grösste Herausforderung ist es, den Komfort und den Seelenfrieden unserer Bewohnerinnen und Bewohner zu gewährleisten und sicherzustellen, dass die Wohnungen angesichts der extremen Zunahme der Energie- und insbesondere der Heizkosten gut isoliert und gut geheizt sind. Darauf haben wir im Wesentlichen unsere Bemühungen konzentriert. Unser Wohnhaus wurde 1955 gebaut. 2006 wurde mit einer grossen Renovation die Wärmeisolation verbessert. Aber gewisse Heizanlagen stammten noch aus den 1970er-Jahren. Also hat unsere Stockwerkeigentümergemeinschaft Konsultationen organisiert und einen technischen Bericht und Offerten für zwei Projekte bestellt: erstens Modernisierung des Heizsystems im Untergeschoss, zweitens Isolierung des Estrichs mit Glaswolle und anderen modernen Materialien.

Unsere Pläne wurden von der Gemeinde Kiew unterstützt, die einen Teil der Kosten übernahm. Und für den Teil, den wir selber finanzieren mussten, erhielten wir einen günstigen «Heizkredit». 2016 zögerten mehrere Eigentümer, einen Kredit aufzunehmen. Aber unsere Rechnungen haben sich dank dieser Investition halbiert! Dieses Jahr nun verhandeln wir schon fast automatisch über einen dritten Kredit für unsere neuen Projekte. Es gibt noch viel zu tun. Wir wollen z. B. die Leitungen isolieren, um unsere Heizkosten noch stärker zu senken. Unsere Bewohnerinnen und Bewohner scheinen zufrieden, und in den letzten Monaten wurden im Haus vier Säuglinge geboren. Wir sagen im Witz, dass wir mit unseren Bemühungen, die Bedingungen zu verbessern, deren Zeugung stimuliert haben.

«Wir sagen im Witz, dass wir mit unseren Bemühungen, die Bedingungen zu verbessern, deren Zeugung stimuliert haben

Jewgen JAROWOY

 
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KORRUPTIONSBEKÄMPFUNG

Fast 90 % der Unternehmen beklagen sich über Korruption im Geschäftsalltag.
 
Ein effizientes, transparentes und gerechtes Beschaffungssystem ermöglichte für gewisse Medikamente Einsparungen von bis zu 60 %.

Jurij KURYLKO und Iwan SCHUMEIKO

Vizedirektor der Abteilung für Gesundheitsschutz und Cheftherapeut am zentralen Regionalspital von Poltawa

Einer meiner Kollegen in einer Nachbarstadt hat vor kurzem gesagt: «Wir haben dasselbe Grundbudget, aber Ihr Spital verfügt über eine bessere Ausrüstung und mehr Medikamente. Wie ist das möglich?» Bei uns ist das einfach. Seit wir neue Regeln für die Budgetkontrolle anwenden, geht es uns besser. Es ist natürlich harte Arbeit. Wir müssen neue Abläufe einhalten, die für das ganze Spitalpersonal gelten. Alle müssen bei diesen Kontrollen eine Rolle übernehmen. Es gibt auch Berater, Experten, lokale NGO, die uns helfen, unser Geld optimal einzusetzen.

Aber es lohnt sich. Wir sehen den Unterschied. Während es früher die Möglichkeit gab, sagen wir mal, Gelder abzuzweigen oder gewisse Leute zu begünstigen, ist das Geld heute besser auf die verschiedenen Abteilungen verteilt. Wir konnten Überschüsse für Renovationen verwenden. Auch unsere Arbeitsbeziehungen haben sich verbessert, weil wir dank klar definierter und transparenter Abläufe verstehen, wer was macht. Und schliesslich ist es die Patientin, der Patient, der gewinnt.

 
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BINNENVERTRIEBENE

1,8 Millionen Menschen mussten aufgrund des Konflikts aus ihrem Zuhause zu flüchten.
 
15 Schweizer Expertinnen und Experten arbeiten im Rahmen der OSZE massgeblich an einer diplomatischen Lösung des Konflikts.

Alla WNUKOWA

Binnenvertriebene, Unternehmensleiterin, Edelweiss. Kramatorsk, Region Donezk

Ich musste alles in Horliwka zurücklassen. Aber meine Schwester und ich haben beschlossen, uns nicht unterkriegen zu lassen. Als wir von diesem Hilfsprogramm hörten, haben wir einen Businessplan erarbeitet und das Stipendium gewonnen. Diese Starthilfe hat uns unverhofft lanciert. Nach nur einigen Monaten beschäftigen wir vier Personen in der Werkstatt, eine im Lager in der Stadt und betreiben einen Lieferservice. Und wir haben schon neue Pläne. Im nächsten Jahr möchten wir eine neue Kleiderlinie für 25- bis 35-Jährige entwickeln.

Bei den medizinischen Uniformen und Arbeitsblusen verfügen wir in der Ukraine über ein Marktpotenzial von 30 Prozent. Der Name unseres Unternehmens, Edelweiss, illustriert unsere Ambitionen perfekt. Es braucht viel Anstrengung, um den Gipfel zu erreichen und diese schöne Blume zu pflücken. Aber welche Befriedigung, wenn es gelingt! Wir sprudeln nur so von Ideen. Und wissen Sie, ich denke nicht mehr an all die Kriegsbeschwerden. Ich betrachte mich nicht mehr als Binnenvertriebene. Hier bin ich zu Hause.

«Ich betrachte mich nicht mehr als Binnenvertriebene.

Hier bin ich zu Hause.»

Alla WNUKOWA

 
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LOKALE ÖFFENTLICHE DIENSTLEISTUNGEN

Die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung war mit den lokalen öffentlichen Dienstleistungen unzufrieden.
 
Die Schweiz fördert seit Langem den Dezentralisierungsprozess der Ukraine. Heute gibt die Hälfte der Bevölkerung an, dadurch profitiert zu haben.

Olexij RJABOKON

Bürgermeister der Territorialgemeinde Pyriatyn, Region Poltawa

Wenn die Jungen überlegen, ob sie in Pryrjatin bleiben sollen, denken sie an die Lebensbedingungen und die wirtschaftlichen Aussichten. Vor zehn Jahren hatten ja 20 Prozent der Bevölkerung noch kein fliessendes Wasser! Sie wurden mit Tankwagen versorgt. Den Abfall stapelte man auf einem Feld im Freien und wartete darauf, dass die Vögel ihn wegpicken würden. Das hat sich verändert. Dank der Projekte zur Dezentralisierung in der Ukraine (DESPRO) konnten wir in unserer Gemeinde die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren und Fachleuten stark ausbauen. Die Zusammenführung von fünf Dörfern zu einer Gemeinde mit 17 000 Einwohnerinnen und Einwohnern passiert nicht unbedingt von selbst. Dank dieser Projekte haben wir gelernt zusammenzuarbeiten und viel Knowhow entwickelt.

Eines unserer letzten Projekte war der Bau eines Verwaltungszentrums.Für unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger war das stundenlange Warten in einem dunklen Gang eines bröckelnden Gebäudes eine Art Prüfung. Die Beamtinnen und Beamten waren oft unhöflich und verlangten viel zu viele Papiere. Heute bildet das Zentrum einen offenen und lichterfüllten Raum. Man löst ein elektronisches Ticket und steht an. Die Menschen stehen nicht mehr einer Behörde gegenüber, die ihnen sagt, was sie zu tun haben. Sie sprechen mit einer Fachperson, die sie bei ihren Anliegen unterstützt. Wissen Sie, ich war früher Ingenieur und bin offiziell pensioniert. Aber es ist schon mein zweites Mandat als Bürgermeister. Und ich liebe es! Die letzten Jahr mit all den Veränderungen waren faszinierend.

 
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NICHTÜBERTRAGBARE KRANKHEITEN

Jeder dritte Mensch in der Ukraine im Alter zwischen 30 und 70 stirbt an einer nichtübertragbaren Krankheit wie Krebs oder einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.
 
Das Rauchen gehört zu den drei grössten Risiken. Die Schweiz unterstützt die ukrainische Regierung bei der Umsetzung des Rahmenabkommens der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs.

Bogdan DELJUK

Allgemeinarzt, Bezirk Kalyniwka, Region Winnyzja

Ich bin frisch diplomiert. Als die Ausbildung stattfand, hatte ich erst wenige Monate Praxis. Und ich arbeitete so gut wie möglich mit dem, was ich von der Universität wusste. Die Ausbildung hat mich sehr viel über nichtübertragbare Krankheiten gelehrt, wie man die Symptome von Krebs, Fettleibigkeit, Asthma, Diabetes, Stress usw. erkennt. Wir erhielten wertvolle Tipps zur Arbeit mit Risikopatienten, zur Prävention, aber auch zur Betreuung von Langzeitpatienten. Am meisten interessiert hat mich der Schwerpunkt Gesundheitsförderung. Einem Patienten zu erklären, dass er auf gewisse schädliche Gewohnheiten verzichten soll, ist schon ein wichtiger Behandlungsschritt.

Ich habe auch Ideen entwickelt, wie ich meine Arbeit effizienter organisieren und gewisse Aufgaben an das Pflegepersonal delegieren kann. So weiss ich schon, was ein Patient braucht, wenn er zu mir kommt. In unserem Beruf müssen wir uns ständig verbessern. Solche Informationen haben direkte Auswirkungen auf die Kommunikation. Praktiker, die die Ausbildung absolviert haben, geben ihre Kenntnisse an ihre Kolleginnen und Kollegen weiter. Sie haben quasi ansteckende Wirkung. Auch diejenigen, die nicht am Seminar teilgenommen haben, können ihre Technik verbessern.